Das Wiederannähen abgetrennter Finger und Gliedmaßen wird als „Replantation“ bezeichnet und ist ein fortgeschrittener chirurgischer Eingriff, der mit mikrochirurgischen Techniken durchgeführt wird, um die funktionelle und ästhetische Integrität wiederherzustellen. Besonders bei Hand- und Fingerverletzungen wird sie häufig angewendet und erfordert eine Notfallbehandlung.

Für eine erfolgreiche Replantation ist es lebenswichtig, dass das abgetrennte Teil richtig aufbewahrt wird (sterile Gaze, in Eis gekühlt) und so schnell wie möglich eingegriffen wird. Während des Eingriffs werden Gefäße, Nerven, Sehnen und Knochenstrukturen der Reihe nach rekonstruiert. Unter dem Mikroskop werden sehr feine Gefäß- und Nervenanastomosen durchgeführt.

Ob eine Replantation durchgeführt wird, entscheidet man nach Bewertung des Zustands des abgetrennten Teils, des Alters der Patientin bzw. des Patienten, des allgemeinen Gesundheitszustands und der funktionellen Erwartungen. Besonders bei Daumenverletzungen, Mehrfingeramputationen und Verletzungen der dominanten Hand ist die Indikation stärker.

Nach der Operation muss die Kontinuität der Gefäßdurchblutung sorgfältig überwacht werden; gegen Komplikationen wie Embolie, Thrombose und Infektion müssen Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Langfristige Rehabilitation und Physiotherapie spielen eine entscheidende Rolle bei der Wiederherstellung der Beweglichkeit der Hand.

Was Sie wissen sollten Information
Definition Das Wiederannähen abgetrennter Finger oder Gliedmaßen (Replantation) ist ein Verfahren, bei dem die Gefäß-, Nerven-, Sehnen- und Knochenverbindungen zwischen einem durch Trauma vom Körper getrennten Organ oder Körperteil (Finger, Hand, Arm usw.) und dem Körper mit mikrochirurgischen Techniken wiederhergestellt werden, um das Gewebe am Leben zu erhalten.
Ziel Die funktionelle und ästhetische Wiederherstellung der amputierten Gliedmaße; die möglichst natürliche Wiederherstellung von Bewegung, Gefühl und Kraftfunktionen.
Anwendungsbereiche – Fingeramputationen (einzeln/mehrfach) – Hand- oder Armamputationen – Avulsionsartige Abrisse (z. B. Ringverletzung) – Amputationen bei Kindern und an der dominanten Hand
Bewertungskriterien – Zustand des abgetrennten Teils (sauberer Schnitt oder Quetschung) – Zeitfaktor (bei kalter Aufbewahrung kann eine Replantation bis zu 12–24 Stunden möglich sein) – Alter, allgemeiner Gesundheitszustand und Begleitverletzungen der Patientin bzw. des Patienten
Chirurgische Phasen – Reinigung verschmutzter Gewebe (Debridement) – Knochenfixierung – Sehnenrekonstruktion – Arterien- und Venenanastomosen (Mikrochirurgie) – Nervenrekonstruktionen – Hautverschluss
Erfordernis der Mikrochirurgie Gefäß- und Nervenanastomosen werden unter dem Mikroskop durchgeführt. Selbst Gefäße unter 1 mm können mit präzisen Techniken verbunden werden.
Anästhesieart Die Operation wird meist unter Vollnarkose durchgeführt. Die Eingriffszeit ist lang, da viele Strukturen einzeln rekonstruiert werden.
Eingriffsdauer Je nach Umfang der Replantation kann sie durchschnittlich 6–12 Stunden dauern. Bei Mehrfingerreplantationen kann die Dauer länger sein.
Erfolgskriterien – Sicherstellung der Durchblutung (Farbe, Temperatur, Kapillarfüllung) – Schrittweise Wiederherstellung von Nerven- und Muskelfunktionen – Keine Entwicklung von Komplikationen – Mitarbeit der Patientin bzw. des Patienten bei der Behandlung
Komplikationen Thrombose (Gefäßverschluss), Infektion, Lappen- oder Gewebeverlust, Bewegungseinschränkung, Gefühlsverlust, komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS).
Postoperative Nachsorge Die ersten 72 Stunden sind sehr kritisch. Gefäßdurchgängigkeit, Gewebevitalität, Farbveränderungen, Blutung und Ödem werden kontrolliert. Die Perfusion wird mit Doppler beurteilt.
Rehabilitation Sie beginnt früh mit passiven Übungen. Im Verlauf werden aktive Übungen, Muskelkräftigung, Sensibilitätstraining, funktionelle Nutzung und bei Bedarf Schienung angewendet.
Funktionelle Ergebnisse Bei Fingerreplantationen sind die ästhetischen Ergebnisse meist erfolgreich. Die Wiedererlangung motorischer und sensorischer Funktionen hängt von der Art des Traumas und der Qualität der Rehabilitation ab.
Langfristige Nachkontrolle Beweglichkeit, Sensibilität und Muskelkraft werden regelmäßig beurteilt. Bei Bedarf können Korrekturoperationen (Tenolyse, Gelenklockerung) geplant werden.
Prof. Dr. Serdar Nasır
Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und
Ästhetische Chirurgie sowie Handchirurgie

Er schloss seine medizinische Ausbildung 1996 an der Medizinischen Fakultät der Universität Ankara ab und absolvierte zwischen 1996 und 2002 seine Facharztausbildung an der Abteilung für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie der Medizinischen Fakultät der Hacettepe-Universität.

Zwischen 2002 und 2009 arbeitete er an der Abteilung für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie der Medizinischen Fakultät der Süleyman-Demirel-Universität.

Seit 2009 arbeitet er an der Abteilung für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie der Medizinischen Fakultät der Hacettepe-Universität. Im Jahr 2011 erhielt er den Titel des außerordentlichen Professors. Dr. Nasır wurde 2019 Professor und ist weiterhin als Dozent in dieser Position tätig.

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Was ist eine Fingerreplantation (Fingeramputation und Wiederannähen)?

Die Fingerreplantation ist das Wiederannähen eines abgetrennten Fingers mit mikrochirurgischen Techniken. Bei dieser Operation werden Knochen-, Sehnen-, Gefäß- und Nervenstrukturen unter einem speziellen Mikroskop rekonstruiert und die Durchblutung wiederhergestellt. Ziel ist es, eine bestmögliche ästhetische und funktionelle Heilung des Fingers zu erreichen. Der Erfolg hängt von der Art der Amputation, der verstrichenen Zeit und dem allgemeinen Gesundheitszustand der Patientin bzw. des Patienten ab. Eine frühzeitige Behandlung erhöht den Therapieerfolg.

Welche Verletzungsmechanismen bestimmen den chirurgischen Erfolg einer abgetrennten Gliedmaße?

Wenn eine Patientin oder ein Patient in die Notaufnahme kommt, ist der erste Faktor, auf den wir als Chirurgen achten und der das Ergebnis am stärksten beeinflusst, die Frage, „wie“ die Verletzung entstanden ist. Nicht jeder Schnitt oder Abriss ist gleich. Der Zustand eines Fingers, der auf den Tisch gelegt wird, bestimmt von Anfang an den Schwierigkeitsgrad der Operation und die Erfolgsaussichten. Das Verständnis der Verletzungsmechanismen erklärt, warum manche Fälle sehr erfolgreich verlaufen und andere leider nicht gerettet werden können.

Die erste und erfreulichste Gruppe sind Verletzungen, die wir als „guillotineartig“ bezeichnen. Man kann sich dies wie einen Schnitt mit einem scharfen Küchenmesser, einer sauber schneidenden Blechschere in der Industrie oder Glas vorstellen. Das Gewebe ist wie durch eine Guillotine sauber getrennt. Die Wundränder sind klar, und eine Quetschung ist kaum vorhanden. Für uns ist dies das ideale Szenario, da die Enden der Gefäße und Nerven leicht zu finden sind und der Gewebeverlust minimal ist.

Eine weitere Gruppe sind „Quetschverletzungen“ (Crush). Hier ist die Situation etwas komplizierter. Sie entstehen meist durch Pressmaschinen, schwere Türen oder durch Einklemmen in Arbeitsmaschinen. Das Gewebe wurde zwischen zwei harten Flächen wie ein Toast zusammengedrückt. In diesem Fall können die Gefäße nicht nur an der Trennstelle, sondern auch weiter proximal geschädigt sein. Da die innere Struktur der Gefäßwand beeinträchtigt ist, ist das Thromboserisiko sehr hoch.

Die schwierigste Gruppe mit leider der geringsten Erfolgschance sind „Avulsionsverletzungen“, also Abriss- und Zugverletzungen. Stellen Sie sich vor, Ihr Finger gerät in eine rotierende Maschine oder einen Riemen, und Sie ziehen Ihre Hand reflexartig schnell zurück. Oder Ihr Ring bleibt irgendwo hängen und zieht am Finger. In diesem Fall werden die Gewebe nicht geschnitten, sondern abgerissen. Nerven und Gefäße dehnen sich wie Gummi und reißen an ihrer schwächsten Stelle. Manchmal sieht es so aus, als sei nur die Fingerspitze abgerissen, obwohl der Nerv in Wahrheit vom Ellenbogen oder sogar aus der Achselregion herausgerissen sein kann. Das nennen wir „Ausriss an der Wurzel“.

Diese Verletzungstypen sind:

  • Guillotineartige Schnitte
  • Lokale Quetschungen
  • Ausgedehnte Quetschungen
  • Avulsionsverletzungen (Abrissverletzungen)
  • Kombinierte Verletzungen

Was ist Ischämiezeit und wie lange überlebt ein abgetrenntes Teil?

Sobald die Verbindung eines abgetrennten Teils zum Körper unterbrochen ist, beginnt für dieses Gewebe die biologische Uhr zu ticken. Gewebe ohne Blutversorgung erhält keinen Sauerstoff, und die Zellen beginnen langsam abzusterben. In der Medizin nennen wir dies „Ischämiezeit“. Unser größter Feind ist die Zeit. Dieser Zeitfaktor verändert sich jedoch je nach Temperatur, in der sich das abgetrennte Teil befindet, und je nach Art des enthaltenen Gewebes.

Hier ist die Unterscheidung zwischen „warmer Ischämie“ und „kalter Ischämie“ entscheidend. Warme Ischämie bedeutet, dass das abgetrennte Teil bei Raumtemperatur wartet. Kalte Ischämie bedeutet, dass das Teil bei Kühlschranktemperatur, also etwa +4 Grad, aufbewahrt wird. Kälte verlangsamt den Stoffwechsel der Zellen, versetzt sie in einen Ruhezustand und reduziert ihren Sauerstoffbedarf. Dadurch kann das Gewebe dem Absterben länger widerstehen.

Ein weiterer entscheidender Faktor ist, ob das abgetrennte Teil Muskelgewebe enthält oder nicht. Muskelgewebe ist das gegenüber Sauerstoffmangel empfindlichste Gewebe. Es zersetzt sich schnell und beginnt, giftige Substanzen zu produzieren. Deshalb ist die Überlebensdauer eines Fingers ohne Muskelgewebe nicht mit der eines Arms mit großer Muskelmasse vergleichbar. Gewebe ohne Muskelanteil, wie Finger, können in kalter Umgebung sehr lange, manchmal sogar länger als einen Tag, lebensfähig bleiben; bei großen Gliedmaßen wie einem Arm ist diese Zeit jedoch deutlich begrenzter.

Die Toleranzzeiten der Gewebe gegenüber Sauerstoffmangel sind im Allgemeinen wie folgt:

  • Finger (in kalter Umgebung)
  • Hand- und Handgelenksebene
  • Unterarm- und Oberarmbereich
  • Warme Ischämiezeit muskelhaltiger Gewebe

Wenn ein großes muskelhaltiges Teil nach Überschreiten dieser Zeit wieder angenäht wird, kann eine sehr gefährliche Situation entstehen, die wir „Reperfusionsschaden“ nennen. Toxine aus zerfallendem Muskelgewebe (wie Kalium und Milchsäure) können ins Blut gelangen, die Nieren der Patientin bzw. des Patienten versagen lassen oder sogar einen Herzstillstand auslösen. Deshalb ist es manchmal die richtige Entscheidung, die Gliedmaße nicht wieder anzunähen, um das Leben der Patientin bzw. des Patienten zu retten.

Wie sollte das abgetrennte Teil am Unfallort transportiert werden und welche Transportfehler gibt es?

Der Erfolg der Replantationschirurgie beginnt eigentlich nicht im Operationssaal, sondern am Unfallort. Egal wie gut der Chirurg ist: Wenn das Teil „verbrüht“ oder „gefroren“ im Krankenhaus ankommt, gibt es nichts mehr zu tun. Falsche Annahmen, die in der Bevölkerung als richtig gelten, machen leider die Rettung vieler Gliedmaßen unmöglich.

Der häufigste Fehler ist, das abgetrennte Teil direkt in Eis zu legen. Eis gefriert das Gewebe und verursacht eine „Kälteverbrennung“. Die Membranen gefrorener Zellen platzen, und dieses Gewebe kann nicht wiederbelebt werden. Ein weiterer Fehler ist, das Teil in aggressive Substanzen wie Alkohol, Jodtinktur oder Wasserstoffperoxid zu legen. Diese töten lebende Zellen ab. Das Einlegen in Milch, Joghurt oder Teig erhöht ebenfalls das Infektionsrisiko und erschwert die Reinigung.

Die richtige Transportmethode ist die international standardisierte „Zwei-Beutel-Methode“. Diese Methode ist sehr einfach und lebensrettend. Zuerst wird das abgetrennte Teil gefunden und, falls es stark verschmutzt ist, vorsichtig mit sauberem Wasser abgespült. Niemals bürsten oder reiben. Danach wird es in ein sauberes, leicht feuchtes (nicht nasses) Tuch gewickelt. Dieses Teil wird in einen wasserdichten Beutel gelegt und der Beutel fest verschlossen. Das ist der erste Beutel.

Dann wird ein zweiter Beutel oder Behälter vorbereitet. Dieser wird zur Hälfte mit Wasser und Eis gefüllt. Der vorbereitete erste Beutel mit dem abgetrennten Teil wird in dieses Eiswasser gelegt. So berührt das Teil weder Wasser noch Eis. Es profitiert nur von der Kälte in seiner Umgebung. Auf diese Weise wird das Teil ideal bei etwa +4 Grad geschützt.

Falsche Anwendungen sind:

  • Direkter Kontakt mit Eis
  • Aufbewahrung in Alkohol oder Desinfektionsmittel
  • Waschen mit heißem Wasser
  • Das Teil trocken lassen
  • Anlegen eines Tourniquets
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In welchen Fällen muss eine Replantation unbedingt durchgeführt werden und was sind die Indikationen?

Muss jedes abgetrennte Teil wieder angenäht werden? Die Antwort auf diese Frage lautet nicht immer „ja“. Unser Ziel ist nicht, eine lebende, aber nutzlose, schmerzhafte und belastende Gliedmaße zu schaffen. Unser Ziel ist eine funktionelle Wiederherstellung. Deshalb sind wir in manchen Situationen sehr entschlossen, während wir in anderen Fällen die Rekonstruktion nicht empfehlen.

An erster Stelle der sogenannten „absoluten Indikationen“, also der Situationen, in denen wir unter allen Umständen versuchen, wieder anzunähen, steht der „Daumen“. Der Daumen macht die Hälfte der Handfunktion aus. Feinmotorische Tätigkeiten wie Greifen, Halten oder Knöpfe schließen sind nur durch den Daumen möglich. Ohne Daumen nimmt die Funktion der Hand um etwa 50 % ab. Deshalb werden bei Daumenverlusten unabhängig von der Höhe der Amputation alle chirurgischen Schwierigkeiten in Kauf genommen.

Die zweite prioritäre Gruppe sind „Kinder“. Das Heilungspotenzial von Kindern ist im Vergleich zu Erwachsenen fast wunderbar. Ihre Nerven regenerieren schneller, ihre Knochen heilen rascher, und ihr Gehirn passt sich neuen Situationen sehr schnell an. Deshalb versuchen wir bei Kindern auch dann unser Glück, wenn das abgetrennte Teil sehr distal oder stark gequetscht ist.

Auch Situationen mit mehreren abgetrennten Fingern sind für uns prioritär. Das Fehlen eines einzelnen Fingers kann von den anderen Fingern teilweise kompensiert werden, aber wenn 3–4 Finger gleichzeitig fehlen, verliert die Hand ihre Greiffunktion. Auch Amputationen auf Höhe des Handgelenks oder der Handfläche betreffen die gesamte Hand und sollten daher nach Möglichkeit rekonstruiert werden.

Prioritäre Situationen sind:

  • Daumenamputationen
  • Alle Amputationen bei Kindern
  • Mehrfingeramputationen
  • Schnittverletzungen auf Handgelenksebene
  • Verletzungen der Handfläche

In welchen Fällen ist eine Replantation kontraindiziert und riskant?

Manchmal wird die Wiederannähung nicht durchgeführt oder kann nicht durchgeführt werden, selbst wenn sie technisch möglich wäre – aufgrund des allgemeinen Gesundheitszustands oder der sozialen Situation der Patientin bzw. des Patienten. Dies nennen wir „Kontraindikation“. Unsere wichtigste Regel lautet: „Zuerst das Leben, dann die Gliedmaße.“ Wenn die Patientin bzw. der Patient beim Unfall ein Schädeltrauma, innere Blutungen oder einen Milzriss erlitten hat, können wir keine stundenlange Handoperation durchführen und dadurch das Leben riskieren.

Ein weiterer hinderlicher Faktor ist eine „schwere Quetschung und Verschmutzung“. Wenn das Teil in einer Pressmaschine wie Papier zerdrückt wurde, das Gefäßbett vollständig zerstört ist und kein gesundes Gewebe mehr zum Nähen vorhanden ist, ist eine Replantation zum Scheitern verurteilt. In solchen Fällen kann es die richtigere Entscheidung sein, statt das Teil wieder anzunähen, den Stumpf zu versorgen und die Patientin bzw. den Patienten früher in Alltag und Beruf zurückzubringen.

Das Thema „Rauchen“ ist einer unserer sensibelsten Punkte. Bei rauchenden Patienten ziehen sich die Gefäße zusammen (Vasokonstriktion). Die zarten Gefäße, die wir mit haarfeinen Fäden genäht haben, können unter Nikotineinfluss sofort verstopfen. Bei einer Patientin oder einem Patienten, der täglich zwei Packungen Zigaretten raucht, ist die Chance, dass eine Replantation hält, deutlich geringer als bei Nichtrauchern. Dieses Risiko wird der Patientin bzw. dem Patienten erklärt.

Auch der psychische Zustand ist wichtig. Bei psychiatrischen Patienten, die sich in selbstverletzender Absicht eine Gliedmaße abgetrennt haben, wird eine Replantation meist nicht bevorzugt, da die postoperative Rehabilitation möglicherweise nicht eingehalten wird und das Risiko erneuter Selbstverletzung besteht.

Hindernde Faktoren sind:

  • Lebensbedrohliche Begleitverletzungen
  • Stark zerquetschte Gewebe
  • Das abgetrennte Teil wurde nicht gefunden
  • Sehr hohes Alter und chronische Erkrankungen
  • Schwere psychiatrische Störungen
  • Zu lange Ischämiezeit

Welche Phasen und technischen Details hat eine mikrochirurgische Operation?

Eine Replantationsoperation ist ein Marathon, bei dem Geduld und technische Fähigkeiten des Chirurgen geprüft werden. Je nach Fall kann sie 4 bis 12 Stunden dauern, manchmal sogar bis zu 24 Stunden. Wir führen diese Operationen nicht mit bloßem Auge durch, sondern unter großen Mikroskopen, die Gewebe bis zu 40-fach vergrößern können. Die verwendeten Fäden sind so fein, dass sie mit bloßem Auge wie ein Staubkorn oder ein Spinnwebenfaden wirken können.

Bei der Operation folgen wir immer einer bestimmten Reihenfolge. Man kann es mit dem Bau eines Gebäudes vergleichen: Zuerst müssen Fundament und Säulen errichtet werden. Deshalb erfolgt zuerst die „Knochenfixierung“ (Osteosynthese). Die Knochenenden werden gereinigt, manchmal wird der Knochen etwas gekürzt, damit die Gefäße ausreichend Länge haben, und anschließend mit Drähten oder Platten fixiert. Nachdem das knöcherne Gerüst aufgebaut wurde, werden die „Sehnen“ genäht. Sie sind die Seile, die den Finger bewegen.

Dann kommt die kritischste Phase: die „Gefäßrekonstruktion“. Zuerst werden die Arterien genäht, die frisches Blut bringen. Unter dem Mikroskop werden die Gefäßenden gereinigt und mit sehr feinen Fäden (meist 8–10 Nähte) Ende an Ende verbunden. Wenn wir die Klemmen lösen und der zuvor blasse, weiße Finger plötzlich rosa wird und aus der Fingerspitze Blut austritt, ist das der Moment, in dem alle im Operationssaal erleichtert aufatmen. Es bedeutet: „Das Teil lebt.“

Doch damit ist die Arbeit nicht beendet. Das Blut muss nicht nur hineinfließen, sondern auch wieder abfließen. Deshalb werden die Venen rekonstruiert. In der Regel versuchen wir, pro Arterie zwei Venen zu nähen, damit das Blut problemlos zurückfließen kann und der Finger nicht anschwillt. Zum Schluss werden die für das Gefühl zuständigen „Nerven“ genäht und die Haut verschlossen.

Die chirurgische Reihenfolge lautet:

  • Wundreinigung (Debridement)
  • Knochenfixierung
  • Sehnenrekonstruktion
  • Naht der Arterie
  • Nervenrekonstruktion
  • Naht der Vene
  • Hautdeckung
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    Worauf muss in der Nachsorge nach der Operation geachtet werden und welche Komplikationen gibt es?

    Aus dem Operationssaal herauszukommen bedeutet nicht, dass die Arbeit beendet ist; im Gegenteil, die Phase der „sensiblen Pflege“ beginnt. Die ersten 72 Stunden, also die ersten 3 Tage, können für uns eine „kritische Phase“ sein. Denn in dieser Zeit ist das Risiko einer Gerinnselbildung (Thrombose) in den genähten Gefäßen am höchsten. Die Patientin bzw. der Patient wird in einem speziellen Zimmer mit intensivmedizinischer Überwachung untergebracht. Die Raumtemperatur ist sehr wichtig; der Raum sollte sehr warm sein. Kälte führt nämlich zur Gefäßverengung und stört den Blutfluss.

    Unsere Pflegekräfte kontrollieren stündlich den Zustand des Fingers. Die Kriterien, auf die wir achten, sind einfach, aber lebenswichtig. Die Farbe des Fingers sollte rosa sein, seine Temperatur der Körpertemperatur entsprechen und seine Fülle normal sein. Wenn wir auf den Nagel drücken und loslassen, sollte die entstandene Blässe innerhalb von 1–2 Sekunden wieder rosa werden. Das nennen wir „Kapillarfüllung“.

    Wenn der Finger plötzlich blass und weiß wird, bedeutet das: „Die Arterie ist verstopft, es kommt kein Blut an.“ Dann ist ein sofortiges Eingreifen erforderlich. Wenn der Finger blau wird, anschwillt und eine dunkelblaue Farbe annimmt, bedeutet das: „Die Vene ist verstopft, das Blut kann nicht zurückfließen.“ Auch dann ist ein Eingriff erforderlich, um das Blut abzulassen.

    In dieser Phase erhält die Patientin bzw. der Patient blutverdünnende Medikamente. Das wichtigste Verbot ist erneut das Rauchen. Nicht nur aktives Rauchen, sondern selbst das Betreten des Zimmers durch jemanden mit Rauchgeruch („Passivrauchen“) kann einen Gefäßspasmus auslösen und zum Verlust des Fingers führen. In dieser Hinsicht sind wir sehr streng.

    Nachsorgekriterien sind:

    • Hautfarbe
    • Gewebetemperatur
    • Turgor und Fülle
    • Kapillarfüllungstest
    • Blutungskontrolle

    Warum und wie wird die Blutegeltherapie (Hirudotherapie) in der modernen Medizin eingesetzt?

    Viele Menschen halten die Blutegeltherapie nur für eine traditionelle oder alternative Behandlungsmethode. In der Mikrochirurgie, besonders bei „venöser Insuffizienz“ nach Replantation, sind Blutegel für uns jedoch FDA-zugelassene „Mikrochirurgen“. Manchmal ist der Unfall so schwer, dass wir die Arterie, die frisches Blut zum Finger bringt, nähen können, aber keine Vene finden, die das verbrauchte Blut abführt, oder die genähten Venen verstopfen.

    In diesem Fall fließt Blut in den Finger hinein, kann aber nicht abfließen. Der Finger schwillt wie ein Ballon an, wird blau, und nach einiger Zeit kommt die Durchblutung zum Stillstand. Um diese Stauung zu entlasten, verwenden wir „medizinische Blutegel“ (Hirudo medicinalis). Wenn der Blutegel den Finger beißt, saugt er nicht nur Blut, sondern verhindert mit dem von ihm abgesonderten Stoff „Hirudin“ auch die Blutgerinnung. Selbst nachdem der Blutegel satt abgefallen ist, blutet die Bissstelle noch stundenlang weiter.

    Diese kontrollierte Blutung senkt den Druck im Finger, leitet das verbrauchte Blut ab und verschafft uns Zeit, bis neue Venen entstehen. Der Blutegel übernimmt also vorübergehend die Funktion einer Vene. Dieses Verfahren wird im Krankenhaus, unter antibiotischer Abschirmung gegen Infektionsrisiken und unter Kontrolle der Blutwerte durchgeführt. Es werden keine beliebigen Teichblutegel, sondern speziell gezüchtete medizinische Blutegel verwendet.

    Die Wirkungen des Blutegels sind:

    • Drucksenkung durch Blutsaugen
    • Hemmung der Blutgerinnung
    • Entlastung der Durchblutung
    • Reduktion von Ödemen
    • Verbesserung der Gewebeversorgung

    Was sind rekonstruktive Leiter, Transplantat und Lappen bei Gewebeverlusten?

    Manchmal wird beim Abreißen einer Gliedmaße auch die darüberliegende Haut mit abgezogen. Nachdem wir Knochen, Sehnen und die empfindlichen Gefäße rekonstruiert haben, bleibt möglicherweise keine Haut mehr, um diese Strukturen zu bedecken. Bleiben sie offen, können sie austrocknen und sich infizieren. Um solche „Defekte“ zu schließen, nutzen wir die grundlegenden Werkzeuge der plastischen Chirurgie: Transplantate und Lappen.

    Ein „Transplantat“, im Volksmund auch „Hautverpflanzung“ genannt, ist eine Hautschicht, die von einer anderen Körperstelle (meist vom Oberschenkel) entnommen und auf die Wunde gelegt wird. Ein Transplantat besitzt keine eigene Blutversorgung; es ernährt sich durch Einsickern aus dem Wundbett, auf das es gelegt wird. Deshalb heilt ein Transplantat nicht auf freiliegendem Knochen oder Sehnen an, weil dort kein versorgender Untergrund vorhanden ist.

    Hier kommt der „Lappen“ ins Spiel. Ein Lappen ist ein Gewebestück mit eigener Blutversorgung. Man kann sich das wie den Umzug eines Hauses mit eigener Heizung vorstellen. Wir nehmen Gewebe (Haut, Muskel oder Knochen) zusammen mit seinem Gefäß. Wenn wir es aus der Nähe in den Defekt drehen, nennt man es „gestielten Lappen“. Wenn wir es aus einer ganz entfernten Körperregion (z. B. Rücken oder Bauch) mit seinen Gefäßen entnehmen und diese unter dem Mikroskop an Gefäße der Hand anschließen, nennt man es „freien Lappen“. Da Lappen ihre eigene Blutversorgung mitbringen, sind sie die zuverlässigste Methode zur Deckung von Wunden, in denen Knochen sichtbar ist und die schwer heilen.

    Rekonstruktive Optionen sind:

    • Hauttransplantate
    • Lokale Lappen
    • Fern gestielte Lappen
    • Freie Gewebetransfers
    • Künstliche Hautanwendungen

    Wie verläuft der Rehabilitations- und Physiotherapieprozess?

    Wenn die Operation abgeschlossen ist, sagen wir unseren Patienten immer: „Wir haben fünfzig Prozent der Arbeit erledigt, die restlichen fünfzig Prozent liegen bei Ihnen.“ In der Replantationschirurgie ist es allein kein Erfolg, wenn die Gliedmaße lebendig vorhanden ist. Wenn der Finger sich nicht beugt, nichts fühlt und nur wie ein „Accessoire“ aussieht, kann die Patientin bzw. der Patient ihn nicht nutzen. Deshalb ist eine multidisziplinäre Physiotherapie unbedingt notwendig.

    Der Prozess beginnt meist mit einer „Schutzphase“ in den ersten 3–4 Wochen. Damit Knochen und Sehnen heilen können, wird eine Schiene (Halbgips) verwendet. In dieser Phase sind plötzliche Bewegungen verboten. Vollständige Bewegungslosigkeit würde jedoch die Gelenke versteifen. Deshalb beginnt nach der 4. Woche unter Anleitung eines Physiotherapeuten die „passive Bewegung“. Das bedeutet, dass die Patientin bzw. der Patient den Finger nicht mit eigener Kraft bewegt, sondern mithilfe des Therapeuten.

    Nach der 6. Woche, wenn die Knochen verheilt sind, werden die Drähte entfernt und die Phase der „aktiven Bewegung“ beginnt. Jetzt versucht die Patientin bzw. der Patient, den Finger mit eigener Muskelkraft zu beugen. Diese Phase kann etwas schmerzhaft und anstrengend sein und erfordert Geduld.

    Die langsamste heilende Struktur ist der Nerv. Nerven wachsen durchschnittlich 1 mm pro Tag. Bei einem Schnitt auf Handgelenksebene kann es Monate dauern, bis das Gefühl die Fingerspitze erreicht. In dieser Zeit kann die Patientin bzw. der Patient im Finger ungewöhnliche Empfindungen wie Stromschläge oder Kribbeln spüren; das ist eigentlich ein gutes Zeichen und zeigt, dass der Nerv voranschreitet. Mit speziellen Übungen, die wir „Sensibilitätstraining“ nennen, wird dem Gehirn geholfen, diesen Finger wieder zu erkennen. Die vollständige Heilung kann 1 Jahr, manchmal sogar 2 Jahre dauern.

    Die Rehabilitationsphasen sind:

    • Früher Schutz und Schienung
    • Passive Bewegungsübungen
    • Aktive Bewegung und Kräftigung
    • Sensibilitäts-Wiedererziehung
    • Entwicklung feinmotorischer Fähigkeiten

    Häufig gestellte Fragen

    Bei Finger- oder Gliedmaßenamputationen liegt der optimale Zeitpunkt für eine Replantation innerhalb der ersten 6–8 Stunden. Bei kalt aufbewahrtem Gewebe kann sich diese Zeit auf bis zu 12 Stunden verlängern. Ein Eingriff ohne Zeitverlust ist lebenswichtig.

    Das abgetrennte Teil sollte in eine saubere Gaze gewickelt, anschließend in einen wasserdichten Beutel gelegt und dieser Beutel in einen weiteren Behälter mit Eiswasser gelegt werden. Direkter Kontakt mit Eis sollte vermieden werden, da dies zum Einfrieren führen kann.

    Nein. Zerquetschte, stark zerfetzte oder so schwer geschädigte Gewebe, dass die Durchblutung nicht wiederhergestellt werden kann, sind für eine Replantation nicht geeignet. Auch der allgemeine Zustand und das Alter der Patientin bzw. des Patienten müssen unbedingt bewertet werden.

    Zunächst werden die Knochen fixiert, anschließend werden Sehnen, Nerven und Gefäße einzeln mit mikrochirurgischer Technik rekonstruiert. Nachdem die Durchblutung wiederhergestellt wurde, kann das Gewebe vital bleiben und der Heilungsprozess beginnt.

    Der funktionelle Gewinn hängt eng mit dem betroffenen Finger, dem Alter der Patientin bzw. des Patienten, dem chirurgischen Erfolg und der Mitarbeit bei der Physiotherapie zusammen. Bei funktionell wichtigen Fingern wie Daumen und Zeigefinger ist die Erfolgsrate höher.

    Gefäßverschluss, Finger- oder Lappennekrose, Infektion, Gefühlsverlust und Gelenksteifigkeit gehören zu den häufigsten Komplikationen. Frühe Diagnose und Behandlung reduzieren diese Risiken.

    Die Physiotherapie dauert meist 3–6 Monate. In dieser Zeit werden regelmäßige Übungsprogramme angewendet, um die Gelenkbeweglichkeit zu erhalten, Muskelkraft aufzubauen und die Sensibilität zu rehabilitieren.

    Ja, bei Kindern sind Heilung und Nervenregeneration besser. Da jedoch das Wachstum berücksichtigt werden muss, ist eine langfristige Nachkontrolle sehr wichtig.

    Die Nervenheilung erfolgt im Laufe der Zeit, und das Gefühl kehrt meist schrittweise zurück. Die Wiederherstellung motorischer Funktionen kann länger dauern, und eine vollständige Heilung ist nicht in jedem Fall möglich.

    Die Wiederherstellung der Gliedmaße, der Erhalt des ästhetischen Erscheinungsbildes und die Zunahme funktioneller Unabhängigkeit steigern das Selbstvertrauen. Dies leistet auch einen wichtigen Beitrag zum psychologischen Heilungsprozess.

    Für das Wiederannähen abgetrennter Finger oder Gliedmaßen ist die am besten geeignete Abteilung die Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie. Auf diesem Gebiet spezialisierte Ärzte ermöglichen mit mikrochirurgischen Techniken das Wiederannähen abgetrennter Gliedmaßen.

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